In Teil 1 unseres Gesprächs zum Jahr des Bodens mit DI Sigbert Huber, Leiter der Abteilung Boden und Flächenmanagement im Umweltbundesamt und Sekretär der International Union of Soil Sciences, haben wir über die Wichtigkeit von Bodenschutz und die Bedeutung des biologischen Landbaus gesprochen. In Teil 2 erfahren wir, was einen intakten Boden ausmacht und wie man Flächen nachhaltig managt.

DI Sigbert Huber, © B. Groeger, Umweltbundesamt

DI Sigbert Huber, © B. Groeger, Umweltbundesamt

Was sind beispielhafte Indikatoren für Bodenqualität?

Es gibt eine Reihe von Indikatoren, die Aufschluss über die Bodenqualität geben. Ein guter Indikator ist der Humusgehalt der Böden. Der Humus beeinflusst die Bodenfruchtbarkeit maßgeblich, er sorgt für ein intaktes Bodenleben und für die Stabilität des Bodens. Ein weiterer Indikator ist das Verhältnis von Kohlenstoff und Stickstoff im Boden, es ist ein Indiz dafür, wie die Freisetzung von Nährstoffen im Boden funktioniert. Ein weiterer Indikator ist der Tongehalt des Bodens. Er liefert Hinweise, wie gut Schadstoffe vom Boden gebunden werden. Der pH-Wert schließlich gibt Auskunft über die Mobilität von Schadstoffen. Je größer die Mobilität, desto mehr Schadstoffe können durch Pflanzen aufgenommen bzw. ins Grundwasser ausgewaschen werden.

 

Bereits Anfang 2014 wurde die sogenannte Bodencharta 2014 initiiert. Was ist darunter zu verstehen?

Die Bodencharta 2014 ist eine Vereinbarung von zehn namhaften Organisationen in Österreich, deren großes Anliegen es ist, den hohen Bodenverbrauch von täglich 20 Hektar zu stoppen. In der Charta werden diesbezügliche Zielvorgaben vorgeschlagen, ebenso die Belebung von Ortskernen und die Nutzung von leerstehenden Gebäuden. Bei großen Bauvorhaben soll im Zuge der Umweltprüfung auch der Boden berücksichtigt werden. Auch bewusstseinsbildende Maßnahmen sind zu verstärken. Mehr zur Bodencharta steht hier.

Welche ersten Schritte braucht es hin zu einem nachhaltigen Flächenmanagement?

Der wichtigste Schritt ist es, den Boden in der Raumplanung stärker zu berücksichtigen. Bereits bei der Planung von Bauvorhaben sollte daran gedacht werden, dass der Boden endlich ist und vielfältige Funktionen für die Gesellschaft erfüllt. Darüber hinaus sollen auf regionalen Ebene Zielvorgaben getroffen werden um den derzeit hohen Bodenverbrauch von täglich 20 Hektar auf ein nachhaltiges Maß von 2,5 Hektar zu reduzieren. Eine weitere wichtige Maßnahme ist es, Anreize zu schaffen, um ehemals genutzte Flächen wieder zu nutzen. Um eine offene Landschaft zu erhalten, sollte man bereits bestehende Siedlungen erweitern und nicht weiter auf der grünen Wiese bauen.

Was sind die großen Unterschiede, die es hinsichtlich Bodennutzung am Land und in der Stadt zu berücksichtigen gilt?

Der Verkehrswert, also der Preis des Bodens, spiegelt den ökologischen Wert des Bodens nicht wider. Sehr häufig hat der teurere Boden in der Stadt einen geringeren ökologischen Wert, da er oft schon stark durch die Siedlungstätigkeit verändert wurde und die natürlichen Bodenfunktionen nur mehr in geringerem Maße erfüllt. So sollte in der Stadt die Innenverdichtung Vorrang vor der Außenverdichtung haben, d.h. es sollte möglichst wenig auf der grünen Wiese gebaut werden und stattdessen Altbestand genutzt werden.